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Vorträge 27. Milchrindtag MV

Tierwohl, Wirtschaftlichkeit, und Umweltschutz unter einen Hut bringen

Eine Herausforderung für Heute und die Zukunft

Auch in diesem Jahr fanden wieder traditionell die Milchrindtage statt. Am 6. und 7. März trafen sich in Güstrow und Woldegk Fachleute aus den verschiedenen Bereichen rund um die Rinderproduktion. Die Landesforschungsanstalt hatte auch dieses Mal wieder eine interessante Vortragsveranstaltung mit spannenden Themen zusammengestellt. Moderiert wurde sie von Dr. Peter Sanftleben.

 

Weide vs. Stall

Die Folien des Vortrags finden Sie hier.

Eine friedlich grasende Kuh auf der grünen Weide - das Bild, welches sich der Verbraucher wünscht und zunehmend auch von Einzelhandel, Molkereien, Tierschützern etc. gefordert wird. Doch was bedeutet dies für das Tier und den Landwirt? Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit, der Leistung und dem Tierwohl aus? Auf diese und andere Fragen ging Prof. Otto Kaufmann (Humboldt-Universität Berlin) ein und referierte zu den Ergebnissen aus dem Projekt "ÖKOTAWEK". Schnell wird deutlich, dass eine reine Weidehaltung von Milchkühen ganzjährig schwer realisierbar ist. Die Sommer in unseren Breiten sind ohne Rückzugsort zu warm und verursachen bei den Kühen Hitzestress. Des Weiteren sind die Bestandsgröße und die Standortbedingungen wie der Ertrag die limitierenden Faktoren bei der Weidehaltung. Dennoch, die Weidemilch ist im Trend. Stark abhängig vom Grünlandstandort und dem Knowhow des Landwirtes kann sie wirtschaftlich erfolgreich erzeugt werden. Aber auch der Erzeugerpreis muss stimmen.

 

Ergebnisse aus dem Projekt "ÖKOTAWEK"

  • Betriebe mit kleinen bis mittleren Tierbeständen auf ertragreichen Grünlandstandorten haben die besten Chancen auf eine erfolgreiche Weidehaltung
  • Milchleistung einer kombinierten Stall - Weidehaltung unterschied sich im Projekt kaum von der reinen Stallhaltung
  • gesundheitsbedingte Verluste von Tieren waren etwa gleich
  • Verletzungen, Läsionen und Schwellungen auf der Weide geringer als im Stall


aber:

  • Hitzestress im Sommer auf der Weide verursacht einen Leitungsrückgang bei den Tieren
  • Energiebedarf der hochleistenden Tiere kann nur teilweise durch das Weidefutter gedeckt werden
  • eine bedarfsorientierte Fütterung nach Laktationsstadium schwierig
  • Stoffwechselerkrankungen aufgrund der Schwankungen in der Zusammensetzung des Grases bei Weidegang wahrscheinlicher als im Stall

 

OptiKuh

Die Folien des Vortrags OptiKuh finden Sie hier.

Folien zum Thema Gülleausbringung

Das nun abgeschlossene Projekt optiKuh ist ein Verbundprojekt mit 15 Projektpartnern, welche es sich zum Ziel gesetzt haben, die optimalen Bedingungen für die Milchkuh zu ermitteln und diese in der Praxis umzusetzen. Julia Glatz (LFA MV) gab einen kurzen Überblick über das Projekt und speziell über die Tierzucht auf Methan und Futtereffizienz. In den letzten Jahren konnte ein einmaliger Datensatz gesammelt werden, der nun den Ausgangspunkt für weitere Zucht- und Fütterungsstrategien bildet. Somit weisen Methan-Merkmale eine relativ hohe Erblichkeit auf, welche zur Selektion auf Methanreduktion genutzt werden. Emissionsminderung durch Gülleansäuerung Ein weiteres Gas, welches in der Landwirtschaft entsteht und es zu reduzieren gilt, ist Ammoniak. Verfahren dazu stellte Christiane Hansen (LFA MV) vor. Besonders hob sie dabei die Gülleansäuerung hervor. Diese wird in Deutschland noch nicht praktisch umgesetzt, wird jedoch spätestens aktuell, wenn Forderungen nach Minderung von Ammoniakemissionen gestellt werden. Um auf diesen Fall vorbereitet zu sein, beschäftigt man sich schon heute mit diesem Thema. Doch wie genau funktioniert das Ganze? Frau Hansen erklärte, dass durch die Ansäuerung der pH-Wert der Gülle unter 6 sinkt und dadurch die physikalischen sowie chemischen Eigenschaften dieser sich verändern. Somit verschiebt sich das Gleichgewicht von Ammoniak und Ammonium in Richtung des flüssigen Ammoniums und das Gas kann nicht mehr entweichen. Das Ammonium kann wiederum von den Pflanzen besser aufgenommen werden. Theoretisch klingt das einfach, die praktische Umsetzung ist es jedoch nicht. Mit dem Einsatz von Säure entstehen viele Fragen, die es im Voraus hinsichtlich Arbeitsschutz, Genehmigungen, Wirkung etc. zu klären gibt. Ziel ist es diese Fragen mit Hilfe eines Netzwerkes an Fachleuten und die Bündelung von Wissen zu klären und dieses Wissen an die Praxis weiterzugeben, sodass die Gülleansäuerung bald angewendet werden kann.

 

Geben Kühe mit weiblichen Kälbern mehr Milch?

Die Folien des Vortrags finden Sie hier.

-eine Frage, die wohl jeden Milchbauern aufhorchen lässt. Ausgehend von einer Studie aus den USA, in der das Ergebnis lautete, dass Kühe mit weiblichen Kälbern mehr Milch geben, beschäftigte sich auch die Landesforschungsanstalt MV mit diesem Thema. Die Ergebnisse dazu stellte Dr. Anke Römer (LFA MV) vor. Wie allgemein bekannt, beeinflussen mehrere Faktoren die Milchleistung. Die wichtigsten davon sind nach Frau Dr. Römers Ausführungen die Jugendentwicklung, Genetik sowie die Zwischentragezeit (je länger, desto mehr Milch). Aber gehört das Geschlecht des Kalbes auch dazu? Nein! In den Untersuchungen der LFA MV konnten die Ergebnisse von den amerikanischen Kollegen nicht bestätigt werden. Auch eine Gruppe niederländischer Forscher kam zu diesem Schluss. Also egal ob Kuhkalb oder Bulle, sowohl intensives Tränken in den ersten Lebensmonaten um eine hohe Lebenstagszunahme zu erreichen, als auch die Genetik sind das A und O für eine spätere hohe Milchleistung.

 

Weiterbildung von zu Hause aus

Die Folien des Vortrags finden Sie hier.

Sie haben keine Zeit Weiterbildungskurse zu besuchen? Kein Problem, denn zumindest für das Thema rund um die Klauengesundheit gibt es nun eine E-Learning-Plattform. Dr. Britta Behr (DLQ) stellte dieses Programm mit dem Namen KLAUENfitnet vor. In 6 Modulen kann man sich hier über Klauengesundheit, Lahmheit, Klauenerkrankungen, Therapiemaßnahmen und Vorbeugung sowie zu vielen anderen Aspekten informieren. Veranschaulicht wird das Wissen mit Bildern, Videos und Wissensfragen. Wenn dieses Angebot auch keinen praktischen Kurs ersetzen kann, ist es eine Möglichkeit sein Wissen aufzufrischen und auf dem neuesten Stand zu bleiben. Nähere Infos gibt es unter: elearning.klauenfitnet.de

 

Genomische Selektion bietet viele Vorteile

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Wer immer noch an genomischen Zuchtwerten zweifelte, wurde spätestens am Milchrindtag von Dr. Sabine Krüger (RinderAllianz GmbH) aufgeklärt. Demnach sind genomische Vererber früher einsetzbar als töchtergeprüfte Bullen und bieten schneller höchste Sicherheit und ein deutlich höheres Zuchtwert-Niveau. Seit dem Einsatz von genomisch selektierten Bullen hat sich der Zuchtfortschritt verdoppelt und er steigt weiter an. Mit dem Projekt "KuhVision" gibt es die Möglichkeit ganze Herden genetisch zu analysieren und so genomische Zuchtwerte für alle Tiere zu erhalten. Somit kann Auskunft zum Hornstatus, zu Erbfehlern, zur Abstammung etc. zu jedem Kalb und jeder Kuh gegeben werden. Dies bildet die Grundlage für das Herdenmanagement und die damit verbundenen Entscheidungen, die hinsichtlich Selektion, Remontierung, Anpaarung, Vermarktung usw. getroffen werden.

 

Vom ersten Tag an dokumentieren

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Was bei Milchkühen Routine ist, ist bei der Nachtzucht noch lange kein Standard: die Dokumentation von Gesundheitsdaten. Dass dies jedoch wichtig für die Herdengesundheit und züchterisch relevante Entscheidungen ist, stellte Dr. Kathrin Stock (VIT Verden) mit dem Projekt "YHealth" vor. Hier wird in Betrieben die schon bestehende Dokumentation auf die Kälber und Jungrinder ausgeweitet. Es werden neben Krankheiten auch das Tränkverhalten bzw. alles rund um die Kolostrumversorgung vermerkt. In verschiedenen Analysen werden genetische Zusammenhänge zwischen den Krankheitskomplexen sowie die Verknüpfung zwischen Merkmalsinformation (Phänotyp) und Informationen zum genetischen Code untersucht. Somit kann die Erblichkeit von Krankheiten berechnet und in der Folge nach Gesundheitsmerkmalen selektiert werden. Außerdem lässt sich dadurch das Gesundheitsmanagement im Stall überprüfen und ggf. überarbeiten, denn gesunde Kälber sind die Grundlage für die gesunden Kühe von morgen.

 

Die Auszeichnung der Betriebe mit den LKV-Ehrenpreisen erfolgte durch den LKV-Vorsitzenden Harmut Subklew sowie Herrn Dr. Peter Sanftleben (LFA MV). Wir gratulieren den Betrieben zu ihren hervorragenden Leistungen.