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26. Fleischrindtag in M-V

Die Vorträge des 2018er Fleischrindtages fanden durchgängig gute Resonanz bei den Zuhörern.

Betriebsleiter Jan Hendrik Eggers im Gespräch mit Teilnehmern des Fleischrindtags.

Die Charolaiszucht hat im Betrieb Eggers eine mehr als 50-jährige Tradition.

Extremwitterung und Personalmangel im Fokus

Mutterkuhhalter beim 26. Fleischrindtag in M-V auf der Suche nach Lösungen

Zum 26. Fleischrindtag in M-V haben die Organisatoren, die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei M-V und die RinderAllianz GmbH, zwei existenzielle Probleme der Fleischrinderzüchter und Mutterkuhhalter in den Fokus gerückt. Nach einem extrem zu nassen Jahr 2017 leidet die Landwirtschaft aktuell noch immer unter der anhaltenden Dürre des Sommers 2018. Finanzielle und wirtschaftliche Probleme aufgrund der schlechten Ernten, Futterknappheit und ein strapaziertes Grünland treiben so manchen Landwirt um, aber auch Generationswechsel und Nachwuchssorgen sind in vielen Betrieben ein wachsendes Thema.

 

Vor diesem Hintergrund zeichnete die Einladung zum Fleischrindtag hohe Resonanz. Gut 80 Teilnehmer fanden sich am Morgen des 8. November in Tessin (bei Boizenburg) im äußersten Westen des Landes zusammen. Einleitend informierte Dr. Sabine Schmidt von der RinderAllianz über die geplante Fusion zwischen Landeskontrollverband und Rinderzuchtverband in M-V sowie über die damit verbundenen Änderungen und Chancen, auch für die Fleischrind-Mitgliedsbetriebe.

 

Auf sich wiederholende Extreme einstellen

Patentrezepte gibt es nicht, aber viele kleine Stellschräubchen, auf einige davon wiesen die Vorträge des Fleischrindertages hin. In seinem engagierten und praxisnahen Vortrag "Grünland- und Weidewirtschaft unter extremen Witterungsbedingungen" orientierte Dr. Jürgen Müller von der AUF der Uni Rostock auf Vorsorgemaßnahmen zur Erhöhung der Futterkontinuität auf 4 Ebenen, unter denen die Wiederherstellung des infolge der Dürre arg strapazierten Grünlands im Rahmen des operativen Managements nur die letzte und möglicherweise kleinste Stufe darstellt. Er sensibilisierte die Landwirte, sich in ihrem Grünlandmanagement und in der Futterplanung auf künftige, sich wiederholende extreme Witterungsbedingungen einzustellen und gab ihnen zahlreiche praktische Hinweise für die Umsetzung.

 

Leber- und Pansenegel (wieder) auf dem Vormarsch?

Zu den Auswirkungen extremer Nässe oder Dürre auf die Gesundheit der Rinder nahmen Frau Dr. Birgit Schwagerick, LKV M-V, sowie Dr. Frajo Siepelmeyer, Berater bei der Firma Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Stellung und rückten dabei insbesondere Parasitosen, und darunter vor allem die Leber- und Pansenegel, in den Mittelpunkt. Wesentliches Fazit ihrer Vorträge: Parasitosen sind immer ein Thema, dem man sich im Interesse seiner Rinder stellen muss. Da zum Beispiel mit Leberegel befallene Kühe bis zu 26 Monate lang täglich rund 10.000 Leberegeleier ausscheiden, darf man sich auch in einem sehr trockenen Jahr wie 2018 nicht in Sicherheit wiegen.

 

Mit Getreidezulagen gegen Grundfuttermangel?

Auch viele Mastbetriebe stehen momentan vor Futterproblemen. Gerade Mutterkuhhaltern mit eigener Ausmast stellte sich in diesem Herbst vielerorts die Frage: Absetzer mästen oder verkaufen? In diesem Sinne war der Vortrag von Dr. Jörg Martin, LFA Dummerstorf, hochaktuell: "Grundfuttermangel in der Bullenmast - worauf ist bei einer Getreidezulage zu achten?". Er verglich dabei eine Standardration mit 3 verschiedenen Rationen mit Zulage von Weizen, Roggen/Gerste bzw. Mais und analysierte die Auswirkungen auf Zuwachs, Schlachtergebnis, Schlachtkörperqualität und Wirtschaftlichkeit. Leider schnitten die Zulagerationen in vielen Punkten signifikant schlechter ab, so dass sie maximal eine Alternative in der Krise, aber keinesfalls einen Königsweg darstellen können.

 

Mitarbeiter am Arbeitsplatz besser für ihre Aufgaben qualifizieren

Neben den Witterungsunbilden zeichnet sich in den letzten Monaten in zahlreichen Betrieben zunehmend ein weiteres Problem für die Fortführung der Mutterkuhhaltung ab. Qualifizierte, gute Mitarbeiter, die Interesse und ein "Händchen" für die Rinder haben, aber auch das nötige Fachwissen für den Betriebszweig Mutterkuhhaltung mitbringen, werden zunehmend Mangelware. Und so sind der Renteneintritt eines langjährigen Mitarbeiters oder eine nicht kalbende Herde, weil der "Neue" Fruchtbarkeitsprobleme des Bullen oder der Kühe nicht erkannt hat, manchmal schon - wenn nicht Grund - so doch zumindest Anlass, sich von der Fleischrindzucht zu verabschieden und sich von den Mutterkühen im Betrieb zu trennen. Vor diesem Hintergrund bietet das Angebot des UFAT Bildungswerks Wöbbelin, das auf dem Fleischrindtag von Maik Kowohl, Mitarbeiter des UFAT, vorgestellt wurde, gute Chancen auf Abhilfe. Mitarbeiter am Arbeitsplatz vor Ort für ihre Aufgaben in der Mutterkuhhaltung fit zu machen, ist eine neue Herangehensweise, die hervorragende Möglichkeiten einer betriebs- und mitarbeiterindividuellen Schulung bietet und daher vielen Fleischrindbetrieben mit ihren speziellen Gegebenheiten stark entgegenkommt. Für das Projekt gibt es Fördermöglichkeiten aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, kofinanziert aus Mitteln des Landes M-V, so dass der Eigenanteil der Betriebe für die Schulungsmaßnahmen in einem überschaubaren Rahmen bleibt. Sowohl Haupt- als auch Nebenerwerbsbetriebe können davon Gebrauch machen.

 

Mit Blick in die Zukunft - ein junger Zuchtbetrieb mit langer Tradition

Nach dem Mittagessen stand wie immer der Besuch eines Praxisbetriebs auf dem Programm. Nicole und Jan Hendrik Eggers vom Landwirtschaftsbetrieb Eggers GbR in Neu Gülze haben ihren Charolais- und Fleckvieh-Simmental-Zuchtbetrieb für die Teilnehmer des Fleischrindtages geöffnet. Die NDR-Nordstory, die am 25. Mai dieses Jahres über Jan Hendrik Eggers berichtete (nach wie vor in der NDR-Mediathek abrufbar!), war vielen noch in guter Erinnerung und machte Lust darauf, die Zuchtstätte vor Ort kennenzulernen. Der Betrieb ist im Zuge des Generationswechsels aus dem LWB Heinz-Helmut Eggers entstanden, der seinen Hof 2014 in die Hände seines Enkels Jan Hendrik gelegt hat. Damit kann die Charolaiszucht im Betrieb auf eine über 50-jährige Historie, die Fleckviehzucht auf immerhin schon knapp 20 Jahre zurückblicken.

Sehr ambitioniert stellte Jan Hendrik den Betrieb, seine Tiere und sein Management vor (siehe unten). Das und die Besichtigung der Stallanlagen und der aufgestallten Tiere machten deutlich, dass hier der Generationswechsel erfolgreich und mit Blick in die Zukunft vollzogen werden konnte. Wir wünschen der jungen Familie Eggers für die Zukunft weitere wirtschaftliche und züchterische Erfolge und freuen uns auf weitere gute Zusammenarbeit.

 

Unter den nachfolgenden Links stehen die Vortragsfolien zur Veranstaltung zur Verfügung:

 

 

Betriebsspiegel: Landwirtschaftsbetrieb Eggers GbR

  • Betriebsleiter Jan Hendrik Eggers, wohnhaft Gamm 1a in 19258 Neu Gülze
  • Tel.: 038847-627876, Mobil: 0151-58731889, Fax: 038847-627874, E-Mail: fleischrinderzucht-eggerswebde
  • Betriebsgröße LN: 265 ha (davon 38 ha Acker mit durchschnittlich 22Bp, 227 ha Grünland mit 35 Bp); Flächen in Streulage; Ackerbau: hauptsächlich zum Futterbau, ca. 85% (Silomais, Triticale, Ackergras); die anderen 15% werden als Marktfrucht (Getreide, Mais) veräußert
  • Arbeitskräfte Familien-AK: 1,25; Angestellte: eine Vollzeitkraft und eine Teilzeitkraft
  • Tierbesatz 60 Charolais-Mutterkühe; 60 Fleckvieh-Mutterkühe; 50 weibliche Rinder beider Rassen zwischen 6 und 34 Monaten zur Nachzucht; 3 Charolais- und 4 Fleckvieh-Zuchtbullen; Die männlichen Absetzer bleiben zu 90 % im Betrieb für die Aufzucht bzw. zur Mast. Im Jahr werden ca. 25 Deckbullen verkauft.
  • Zuchterfolge, Schaubeteiligung Der Betrieb nimmt regelmäßig an Auktionen und Tierschauen teil. MeLa 2017: Rassesieg bei Charolaisbullen; 2018: jeweils Reservesiege mit Charolais-Jungbullen bei den Auktionen in Bismark und Karow
  • Produktionsform und Herdenmanagement Kalbezeit: November bis Anfang Mai. Durchschnittliche Herdengröße auf der Weide 20 Kühe mit Kalb und einem Deckbullen. Die weibliche Nachzucht ist in den Sommermonaten ebenfalls auf der Weide. Die Jungbullen bleiben ganzjährig im Stall. Anpaarung überwiegend durch Natursprung statt, besondere Einzeltiere werden künstlich besamt.
  • Vermarktung Zuchtviehvermarktung an langjährigen Kundenstamm und über die RinderAllianz, gerne auch an Neukunden; Schlachtvieh über Viehhandel an Schlachthöfe Husum und Bad Bramstedt
  • Maschinenbesatz 1 Schlepper (Bj.2006, 100 PS), 1 Schlepper (Bj. 2015, 130 PS), Maschinen zur Silage- und Heubergung im Eigentum. Spezialarbeiten wie Pflanzenschutz, Maisdrillen und -häckseln werden an landwirtschaftliche Lohnunternehmen in Auftrag gegeben.