Zum Inhalt springen

RZGesund - züchterisch zu gesunden Kühen

In Zeiten, in denen die Milchleistung von Hochleistungskühen über Zuchtfortschritt, gutes Betriebs- und Fütterungsmanagement und zunehmender Expertise der Landwirte steigt, rückt die Gesundheit der Kühe immer mehr in den Fokus. Leistungsstarke Milchkühe benötigen eine optimale genetische Ausstattung, damit sie unter guten Haltungsbedingungen ein möglichst langes und produktives Leben führen können.

Ab April 2019 werden darum erstmals für alle deutsche Bullen umfangreiche Gesundheitszuchtwerte veröffentlicht.

5 neue Zuchtwerte gehen an den Start:

 

Neu ab August 2019 ist der "RZKälberfit" zur nachhaltigen Verbesserung der Kälbervitalität und zur Reduzierung der Kälberverluste. Momentan ist der RZKälberfit noch nicht im RZGesund integriert. Lesen Sie unten mehr.

 

Damit hat sich das Ziel, mit dem das proFit plus-Testherdenprojekt 2005 in MV gestartet und mittlerweile in dem deutschlandweiten Projekt "KuhVision" übergegangen ist, erfüllt. Insbesondere der RZMetabol und RZKlaue bieten hohes Potenzial, da es bisher keine direkten Hilfsmerkmale gab (RZS korreliert positiv mit RZEuterfit, RZR mit RZRepro). Ein großes Plus ist die einzigartige Datengrundlage sowie -Qualität!

Hier finden Sie Informationen zur Datenqualität und die Presseinformation des BRS.

 

Die Selektion mit dem RZGesund erlaubt die züchterische Verbesserung aller 13 Gesundheitsmerkmale, die in den vier Relativzuchtwerten erfasst werden. So sind mit nur einem Wert alle wichtigen Merkmalskomplexe abgedeckt bzw. die wichtigsten Erkrankungen züchterisch bestmöglich vorgebeugt. Die Sicherheit von 0,57 beweist die Verlässlichkeit des neuen Zuchtwertes. Der RZGesund bietet dem Tierhalter also eine ausgezeichnete Orientierung und Hilfe bei der Anpaarungsentscheidung. Nutzen Sie den RZGesund gezielt um die Gesamtgesundheit Ihrer Herde zu optimieren.

Informationen zum Thema "RZ - Gesundheit zielgenau züchten" finden Sie hier.

 

 

 

 

RZEuterfit

Züchterisch zum gesünderen Euter

Mastitis ist nach wie vor die Erkrankung mit der größten wirtschaftlichen Bedeutung in unseren Milchviehbeständen. Eine klinische Euterentzündung in der Frühlaktation kostet pro Tier schnell 400 bis 600 Euro an Behandlungskosten, Milchgeldverlust etc. Eine subklinische Mastitis (erkennbar an einer erhöhten Zellzahl) schlägt mit bis zu 200 Euro je Tier zu Buche. Mit dem neuen Zuchtwert RZEuterfit lässt sich das Auftreten von Mastitis nun ganz gezielt verringern. Mastitis fließt, als mit Abstand wichtigste Eutererkrankung, als alleiniges Merkmal zu 100 % in den Zuchtwert ein.

Die weltweit einmalige Kombination aus direkten Gesundheitsdaten und Abgangsursachen wirkt sich beim Zuchtwert RZEuterfit ganz besonders positiv aus: Die Sicherheit liegt bei 0,61! Durch die Berücksichtigung des RZEuterfit bei der Selektionsentscheidung lässt sich die Mastitisrate in der Herde zielgerichtet und schnell senken.

 

In der Pressemitteilung des BRS zum RZEuterfit finden Sie weitere Informationen.

 

 

 

RZKlaue

Züchterisch zu gesünderen Klauen

Milchleistung steht auf gesunden Klauen und genau das garantiert der neue Zuchtwert RZKlaue. In diesem neuen Gesundheitsindex sind die sechs wichtigsten Klauenerkrankungen kombiniert und entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gewichtet (siehe Abbildung):

  • Dermatitis Digitalis (Mortellaro) - 30 %
  • Klauengeschwüre - 15 %Panaritium - 15 %
  • Weiße Linie Defekt - 15 %
  • Klauenrehe - 15 %
  • Limax / Zwischenklauenwulst - 10 %

 

Die starke Gewichtung von Mortellaro im neuen Zuchtwert kommt dabei nicht von ungefähr, denn die infektiöse Klauenerkrankung breitet sich zurzeit stark in den Milchviehbeständen aus. Durch Berücksichtigung des RZKlaue bei Anpaarungsentscheidungen kann so effektiv gegengesteuert werden. RZKlaue ist ein entscheidender Schritt zu mehr Klauengesundheit in der ganzen Herde, insbesondere da es für Klauengesundheit bis auf Mortellarozuchtwert DDcontrol bislang keine effizienten Hilfsmerkmale gab. Die Sicherheit des RZKlaue liegt bei 0,51.

Weitere Informationen zum RZKlaue finden Sie in der Pressemitteilung des BRS.

 

 

 

RZRepro

Züchterisch zu höherer Fruchtbarkeit

Nur Kühe, die schnell und problemlos wieder tragend werden, verbleiben viele Laktationen in der Herde. Dafür ist die Gesundheit des Reproduktionstraktes von großer Bedeutung. Mit RZRepro kann erstmalig auf einen gesunden Reproduktionstrakt bei der Kuh gezüchtet werden. Der genomische Relativzuchtwert RZRepro umfasst früh (Gebärmutterentzündung, Nachgeburtsverhaltung) und spät (Zyklusstörungen) in der Laktation auftretenden Reproduktionsstörungen in wirtschaftlich optimaler Weise (siehe Abbildung):

  • Zyklusstörungen (z.B. Zysten) - 50 %
  • Gebärmutterentzündungen - 25 %
  • Nachgeburtsverhalten - 25 %

 

Zyklusstörungen weisen eine Korrelation zu den bisher schon im RZR (Töchterfruchtbarkeit) erfassten Merkmalskomplex "Rastzeit" auf und wurden bereits indirekt züchterisch bearbeitet. Daten zu den Gesundheitsmerkmalen "Gebärmutterentzündung" und "Nachgeburtsverhalten" wurden jedoch nicht erhoben - bis zur Entwicklung des neuen genomischen Relativzuchtwertes RZRepro. Dank des neuen Komplexes und der darin verarbeiteten Daten ist nun eine gezielte Zucht auf Reproduktionsgesunde Tiere möglich. Die Sicherheit des Zuchtwertes beträgt 0,52, ein sehr guter Wert für niedrig erbliche Merkmale.

Weitere Informationen zu RZRepro finden Sie in der Pressemitteilung des BRS.

 

 

 

RZMetabol

Züchterisch zu einem stabileren Stoffwechsel

Die Stoffwechselgesundheit ist gerade bei hochleistenden Kühen von immenser Bedeutung: für die Wirtschaftlichkeit und das Tierwohl. Bisher gab es keine brauchbaren Hilfsmerkmale, die deren Erfassung und somit die Schätzung eines Zuchtwertes zuließen. Im genomischen Zuchtwert RZMetabol werden nun erstmals drei essentielle Merkmale zu einem Index verrechnet (siehe Abbildung):

  • Labmagenverlagerung - 40 %
  • Milchfieber - 30 %
  • Ketose - 30 %

 

Die Datengrundlage des RZ Metabol wird sich in den kommenden Jahren noch wesentlich vergrößern, so dass die Sicherheit des Zuchtwertes in Zukunft ansteigen wird. Aktuell liegt die Sicherheit bei 0,55.

Mehr dazu erfahren Sie in der Pressemitteilung des BRS.

 

 

 

RZKälberfit

Züchterisch zu vitalen und gesunden Kälbern

Für die Nutzungsdauer unserer Milchkühe gibt es schon länger Zuchtwerte und diese werden intensiv für die Selektion verwendet. Für die Jungtiere gibt es aber seit langer Zeit nur den Zuchtwert für Totgeburtenrate, also Verluste bis 48 h nach der Geburt. Die Aufzuchtperiode war bisher für die züchterische Bearbeitung ein schwarzes Loch. Dies ändert sich im August 2019 mit der offiziellen Einführung des Zuchtwertes für Kälber-Fitness, RZKälberfit.

 

Dieser beschreibt die genetisch bedingte Fähigkeit die Aufzuchtperiode von Tag 2 bis zum Alter von 15 Monaten zu überleben. Wie bei der Nutzungsdauer der Kühe, sind auch für die Verluste bei Jungtieren in den verschiedenen Altersabschnitten unterschiedliche Krankheiten ursächlich. Daher werden im Schätzmodell 5 verschiedene Altersabschnitte berücksichtigt (Tag 3-14, 15-60, 61-120, 121-200, 201-458). Die Erblichkeit ist mit knapp 2 % nicht besonders hoch, aber die genetische Streuung ist mit ±3 % Verlusten erheblich. Die Datengrundlage ist umfassend und damit die Sicherheit gut. Der rein genomische RZKälberfit hat eine Sicherheit von 51 %.

 

Datengrundlage sind die HIT-Abgänge wegen Verendung bzw. Tötung für weibliche Jungtiere geboren seit 2006. Insgesamt sind ca. 8 Millionen weibliche Kälber in der Zuchtwertschätzung. Männliche Kälber werden in der Zuchtwertschätzung nicht verwendet, da diese i.d.R. den Geburts-Betrieb mit gut 14 Tagen verlassen. Der Zuchtwert RZKälberfit wird auf der üblichen Relativ-Skala mit 100 als Mittelwert und genetischer Streuung 12 ausgedrückt. Hohe Werte bedeuten dabei weniger Kälberverluste. Der Mittelwert 100 entspricht etwa 93 % bis 15 Mo. überlebter Tiere, wobei 60% der Jungtierverluste in den ersten beiden Altersabschnitten bis 60 Tage auftreten.

 

Dr. Stefan Rensing, vit