Rind und Wir – August 2024

9 VERBANDSLEBEN Bakteriologische Heilungsrate mit und ohne antibiotische Behandlung (Wilson et al., 1999) Tobias Schrödel – Deutschlands erster Comedyhacker Tobias Schrödel, ein IT-Sicherheit-Spezialist, ist auch als TV-Experte und Autor bekannt. Für die Zuhörer verständlich und gleichzeitig witzig erläuterte er, welche IT-Sicherheitslücken für Unternehmen gefährlich sind und wie man versuchen kann, Schlimmes zu verhindern. Beeindruckend war zu sehen, auf welche verrückten Ideen die Hacker kommen, um Geld aus den Unternehmen zu ziehen. In Echtzeit konnten wir sogar im Darknet serven. Überraschenderweise ist es nicht für Gangster angelegt worden, sondern um Whistleblowern eine gewisse Sicherheit zu schaffen. Tobias Schrödel forderte uns inständig auf, unterschiedliche Passwörter für unterschiedliche Benutzerkonten zu verwenden und die Passwörter in einem Password-Safe zu speichern. Im Jahr 2020 und 2021 zahlten deutsche Unternehmen an die Cyber-Gangster über 760 Mio. $ Lösegeld, um wieder Zugriff auf ihre Rechner zu bekommen. 2023 waren es 457 Mio. $, die eingezahlt wurden. Unglaublich! Der Vortrag von Tobias Schrödel, spannend und exzellent vorgetragen, wird in Erinnerung bleiben. Prof. Dr. Volker Krömker – Gesunde Kühe mit weniger Antibiotika Prof. Krömker ist in Europa als „Euterpapst“ bekannt. Seine Forschungen zum Antibiotikaeinsatz im Eutergesundheitsbereich treffen den Zeitgeist, geht es doch um Minimierung und Optimierung der antibiotischen Mastitis-Therapie. Schon 1999 gab es eine spannende Untersuchung von Wilson mit über 9.000 Diagnosen, die zeigte, dass die bakteriologische Heilungsrate ohne Antibiotika für einzelne Keime fast genauso hoch ist, wie mit Antibiotika! Moderne Leitlinien empfehlen eine antibiotische Behandlung subklinischer Mastitiden nicht mehr. Die Selbstheilungskräfte der Kuh wirken oftmals besser als Antibiotika. Infizierte Euterviertel heilen häufig in der Trockenperiode von selbst ab und benötigen keine Antibiose. Bakteriologische Heilungsrate (%) mit Antibiotika ohne Antibiotika S. aureus 49 % 43 % Streptococcus spp. 83 % 66 % CNS 81 % 72 % E. coli, Klebsiella spp., Coryneforms, Pseudomonas 74 % 70 % Fazit: Eine erhebliche Reduktion und Optimierung des Antibiotikaeinsatzes bei Mastitiden ist möglich durch:  Verzicht auf Behandlung subklinischer Mastitiden in der Laktation, wo immer möglich  selektives antibiotisches Trockenstellen mit Fokus auf Neuinfektionsvermeidung  eine gezielte Therapie klinischer Mastitiden unter Verwendung von on-farm Tests  durch Entfernung chronisch euterkranker Tiere mit schlechten Heilungsaussichten

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