51 Die Verwendung eines Auftaugerätes entbindet nicht von der Pflicht zur Kontrolle. Regelmäßig haben Geräte Fehlfunktionen und die gewünschte Temperatur wird nicht erreicht oder sogar überschritten. Gleiches gilt für die Auftaudauer. Beim Auftauen werden 11-15 Sekunden empfohlen und sollten genau eingehalten werden. Der Hintergrund ist, dass aufgetautes Sperma nicht wieder abkühlen darf. Bei diesem Vorgang käme es zu einem großen Verlust an lebenden Spermien. Wenn der Samenstraw mit 0,25 ml Füllvolumen (Standard) für 11 Sekunden 38 °C warmem Wasser ausgesetzt ist, hat das Sperma in etwa eine Temperatur von 25 – 27 °C. Diese ist bei fachgerechtem Transport zur Kuh leichter einzuhalten als eine Temperatur, die sich bei längerer Auftauzeit immer mehr an 38 °C annähert. Mit dem aufgetauten Sperma zur Kuh In dieser Phase findet ein Großteil der Spermienverluste statt. Für aufgetaute Spermien ist es von großer Bedeutung, dass sie nicht mehr abkühlen. Wenige Grad Abweichung haben bereits einen deutlichen Effekt. Das metallene Besamungsgerät sollte vor dem Einführen des Samens vorgewärmt werden. Dies kann zum Beispiel durch Reiben mit einem sauberen Tuch erfolgen. Der Transport der vorbereiteten Samenpistole unter der Kleidung, direkt auf der Haut, ist aus Sicht des Warmhaltens positiv, aus hygienischer Sicht jedoch nicht optimal. Die Besamungspistole wird bei der Samenübertragung in die Gebärmutter des Rindes eingeführt. Dabei gelangen Bakterien von der Haut in den Uterus, in welchem sie optimale Bedingungen zur Vermehrung vorfinden. Im Anschluss an den Besamungszeitpunkt beginnt der Östrogenspiegel zu sinken, die Konzentration des Hormones Progesteron steigt an. Dieses unterdrückt teilweise die Immunabwehr in der Gebärmutter. Eine Reduktion des Besamungserfolges oder sogar eine Gebärmutterschleimhautentzündung kann die Folge sein. Besser ist es, die vorbereitete Besamungspistole durch einen sanitären Überzug oder einen Besamungshandschuh zu schützen und dann nah am Körper warm zu halten. Alternativ kann auch ein „Gun-Warmer“ verwendet werden. Diese elektrisch beheizten Transporttaschen für Besamungsgeräte sind kommerziell erhältlich, stellen jedoch Ansprüche an eine regelmäßige Reinigung, da sie im Inneren leicht verschmutzen können. Die Hygiene Für ein hygienisch einwandfreies Handling der Spermaportion ist entscheidend, dass die Samendosen mit sauberen Händen vorbereitet und auch die verwendeten Instrumente regelmäßig gereinigt werden. Die Scham des Rindes muss vor jeder Besamung von Verunreinigungen befreit werden, um ein sauberes Einführen des Besamungsgerätes zu ermöglichen. Sanitäre Überzüge schützen die eigentliche Besamungspistole und werden vor dem Einführen in die Gebärmutter zurückgezogen. Gesextes Sperma Grundsätzlich kann gesextes Sperma, mit einigen Einschränkungen, wie konventionelles Sperma behandelt werden. In einer Portion gesexten Samens sind bei allen Herstellern deutlich weniger Spermien enthalten als in einer konventionellen Portion. Deshalb ist größte Sorgfalt notwendig, damit bei der Besamung ausreichend viele vitale, vorwärtsbewegliche Samenzellen zur Verfügung stehen. Manche Hersteller geben besondere, in der Regel längere Auftauzeiten an. Diesen ist grundsätzlich Rechnung zu tragen, ohne jedoch die oben genannten Grundsätze außer Acht zu lassen. Es empfehlt sich bei Anwendung einer längeren Auftauzeit einen „Gun-Warmer“ oder ein entsprechendes Gerät zu verwenden. In vielen Betrieben wird sehr erfolgreich mit gesextem Sperma gearbeitet, welches nach den gleichen Vorgaben wie konventionelles Sperma aufgetaut wird. Fazit Auch wenn jeder genannte Faktor für sich genommen einen mehr oder weniger kleinen Effekt hat, sind viele Fehler in der Summe problematisch. Es ist enorm wichtig, sich immer wieder selbst zu hinterfragen. Ordnung, Hygiene und ein konsequentes Zeit- und Temperaturmanagement sind die wichtigsten Säulen, auf denen ein sehr guter Umgang mit konfektioniertem Sperma beruht. Dr. Lukas Demattio Do’s - Ordnung im Samenbehälter (Etiketten, farbige Gobelets) - nur die gewünschte Portion entnehmen - Heber max. 5 cm unter die Öffnung heraufziehen - Pinzette oder Entnahmeschere verwenden - Auftaugerät nutzen und regelmäßig dessen Funktion kontrollieren - Auftauen: 11 – 15 Sekunden, 38 °C - Besamungsgerät mit sanitärem Überzug vorwärmen - Hände und Instrumente regelmäßig reinigen Don’ts - Heber wiederholt aus dem Behälter nehmen - Portionen zum Ablesen der Beschriftung entnehmen und zurückstecken - Auftautemperatur schätzen, z.B. durch Fühlen mit dem Finger - Sperma wieder abkühlen lassen - Besamungsgerät direkt am Körper auf der Haut vorwärmen
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