Rind und Wir – August 2024

29 Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS) Adenauerallee 174 | 53113 Bonn info@rind-schwein.de | www.rind-schwein.de Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V. Heinrich-Schröder-Weg 1 | 27283 Verden info@vit.de | www.vit.de INFOS aus BRS und vit August 2024 Datenvernetzung für die Milchkuh – iDDEN Nur der internationale Ansatz verspricht Erfolg Milchviehhalter sind seit jeher sehr innovativ und stehen technischen Neuentwicklungen offen gegenüber. Mit größer werdenden Tierbeständen und knapper werdender Arbeitszeit besteht inzwischen zunehmend der Bedarf, das ‚Auge des Herrn‘ mit technischen Hilfsmitteln zu ergänzen. Inzwischen Standard ist die elektronische Brunsterkennung mit Hilfe von Sensoren und immer mehr das Monitoring von wichtigen Körperfunktionen wie z. B. das Wiederkauverhalten. Ein weiterer Treiber für Messungen direkt am Tier ist das automatische Melken, das durch die o. g. Arbeitsknappheit immer häufiger eingesetzt wird (siehe Abb.1). Die Rinderhalter befinden sich also aktuell in einer Phase, wo viele Daten im Überfluss vorhanden sind, in der die Kombinationsmöglichkeiten dieser unterschiedlichen Datenquellen aber noch begrenzt sind. Vor allem unterschiedliche Schnittstellen und Definitionen der Dateninhalte erschweren eine gemeinsame Nutzung im Management der Betriebe. Auch für die Zucht wären Informationen aus den Sensorsystemen interessant. So könnten z.B. mit Daten zu Zitzenstellung und Euterform die Robotereignung, mit Daten zu Körpertemperatur und Wasseraufnahme die Hitzetoleranz oder mit BCS-Daten aus Kameras die Stoffwechselstabilität von Milchkühen züchterisch positiv beeinflusst werden. Hier kommt jetzt die iDDEN GmbH („International Dairy Data Exchange Network“) ins Spiel. In der iDDEN GmbH haben sich landwirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen als Gesellschafter zusammengefunden, um gemeinsam mit Stalltechnikherstellern und weiteren Akteuren in Europa, Nordamerika und Australien das lange währende Problem der Datenintegration zu lösen. Internationaler Zusammenschluss Für das Netzwerk iDDEN haben sich deshalb nationale Rechenzentren aus inzwischen 15 Ländern in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Technikherstellern zusammengeschlossen, die insgesamt ca. 20 Millionen Milchkühe repräsentieren. Der erste Schritt der Basisarbeit ist damit gelegt, jetzt geht es darum, dass alle Akteure die neuen Richtlinien und Standards des Internationalen Komitees für den Austausch von Tierdaten (ICAR ADE) integrieren. Perspektivisch wird dieser ICAR ADE Standard dazu führen, dass die jetzigen Insellösungen verschwinden und man mittelfristig Daten aus den Techniken auf den Betrieben untereinander und mit den Datenbanken aus Milchleistungsprüfung, Herdbuch und Besamung kombinieren kann. Da ist sehr viel Programmierarbeit gefordert, aber nur so kann ein international verwendeter Standard genau dieses Ergebnis ermöglichen. Datenvernetzung iDDEN selbst ist eine Datenaustauschplattform, die standardisiert unter strengen Sicherheitsstandards Daten austauscht. Die Daten selbst werden nach der erfolgten Ablieferung beim Empfänger in iDDEN wieder gelöscht, damit Datenmissbrauch ausgeschlossen werden kann. Dabei garantieren die bestehenden Datennutzungs- und Datenverfügungsrechte sowie die Zustimmung seitens jeden Datenlieferanten strengsten Datenschutz und bilden die fundamentale Grundlage des Datenaustauschs. Regionale Verbreitung iDDEN wurde als nicht gewinnorientierte Gesellschaft von sieben bäuerlich gehaltenen Organisationen gegründet. Die Länder Deutschland, Österreich und Luxemburg werden in diesem Verbund durch die Gesellschafter Rinder Daten Verbund (RDV GmbH) und Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V. (vit w.V.) vertreten. Aktueller Stand der Implementierung Nachdem in den Jahren 2020 und 2021 hauptsächlich die Entwicklungsarbeiten getätigt wurden, konnte im Jahr 2022 mit der konkreten Arbeit begonnen werden. Inzwischen sind über 30 Datenpakete definiert und in der iDDEN Datenaustauschplattform verfügbar gemacht worden. Fast alle Gesellschafter sind inzwischen an iDDEN angeschlossen, so dass der Austausch mit Dritten angegangen werden konnte. Inzwischen arbeiten GEA und DeLaval als international operierende Technikkonzerne, sowie weitere Technikhersteller wie Afimilk, smaXtec und CowManager aktiv an einem Austausch von Tier- und Betriebsdaten mit den Rechenzentren. Lely wird mittelfristig als strategischer Partner von iDDEN auch an diesem Datenaustausch teilnehmen. Abb. 1: Kühe & Roboter fahren gemeinsam auf dem Karussell mit ©Werksfoto GEA

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