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MARKTBAROMETER

Nutzkälber – Qualität beeinflusst den Erlös

Die Situation am Markt für männliche schwarzbunte Nutzkälber ist weiter extrem angespannt. Obwohl in den zurückliegenden Wochen eine leichte Belebung in der Nachfrage nach Bullenkälbern zu verzeichnen war, hatte dies nur geringe Auswirkungen auf den Erzeugerpreis. Bislang war das Angebot für eine deutliche Preissteigerung zu hoch. Daran änderte auch die saisonal bedingt  verstärkte Einstallungsbereitschaft der Kälbermäster nur wenig. Gerade im März und April erfolgt eine verstärkte Einstallung der Tiere, um rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft schlachtreife Kälber vermarkten zu können. Unabhängig von der Saison sind deutliche bessere Preise für vitale Bullenkälber mit einem Verkaufsgewicht von mehr als 47 kg zu erzielen. Diese Tiere werden zudem bevorzugt von den spezialisierten Kälbermästern aufgekauft. Qualität wird auch in dieser Kategorie besser bezahlt und findet darüber hinaus einen gesicherten Absatz.

Absetzer – Angebot knapp, Preise steigend

Saisonbedingt ist der Absetzermarkt im Wesentlichen geräumt. Ursache ist in starkem Maße die ausgedehnte Frühjahrskalbung (Februar bis Juni). Annähernd 75 % der Absetzer werden von September bis Dezember von den Mutterkühen getrennt und verkauft. Die restlichen 25 % der Absetzer werden dann von Januar bis August vermarktet bzw. für die eigene Mast aufgestallt. Dabei handelt es sich um Tiere, die aus einem anderen Kalbezeitraum stammen oder aber mit einem anderen Gewicht vermarktet werden. Die Rindfleischpreise sind auf einem verhältnismäßig stabilen Niveau, so dass derzeit die Absetzerpreise deutlich höher als im vergangenen Herbst sind. Dabei sind die Qualitäten zum jetzigen Zeitpunkt häufig schlechter als im Herbst. Neben dem knappen Angebot an Absetzern wird das Preishoch für Absetzer zusätzlich durch den Fakt verstärkt, dass die neuen Bundesländer  seit Ende Februar den gleichen BHV1 Status wie das Bundesland Bayern besitzen und somit viele Mäster ohne die aufwendigen Veterinärauflagen Jungtiere für die Mast aufstallen können, wovon sie rege Gebrauch machen. Mit diesen Handelserleichterungen werden die Preise für die kommende Absetzersaison allein durch die intensivere Nachfrage nach Jungtieren aus der Mutterkuhhaltung spürbar anziehen. Ungewiss ist derzeit noch, inwiefern sich die neuen Agrarförderbedingungen auf die Entwicklung der Mutterkuhbestände in unserem Land auswirken. Derzeit gibt es in einigen Betrieben die Überlegungen, ihre Mutterkuhbestände auf den geforderten Mindestbesatz je Flächeneinheit auszurichten, was  in jedem Fall eine Reduzierung der Mutterkühe zur Folge hätte. Damit würde sich im kommenden Herbst auch der Anteil an vermarktungsfähigen Absetzern reduzieren, was einen zusätzlichen Druck auf den Absetzerpreis ausüben würde.

Nachfrage nach Schlachtkühen weiter rege – Preise stabil

Seit Beginn des laufenden Jahres liegen die Rinderschlachtungen unter dem Niveau von 2014. Das Angebot fällt vergleichsweise gering aus und auch für die nächsten Monate wird eine leicht rückläufige Produktion an Schlachttieren erwartet. Zum einen wurden die Kühe bereits in den zurückliegenden Monaten stark aussortiert und zum anderen wird der Landwirt sich mit dem Wegfall der Milchquote – Anfang April – noch schwerer von seinen Milchkühen trennen. So wurden in den zurückliegenden sechs Monaten allein über die RinderAllianz fast 20 % mehr Schlachtkühe im Vergleich zum Vorjahr gehandelt. Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei den Jungbullen. Hier konnten die angebotenen Mengen in den letzten Wochen nicht wie gewünscht am Markt platziert werden, so dass die Jungbullenpreise nach wie vor unter Druck stehen. Damit liegen die Erzeugerpreise unter dem Vorjahresniveau. Selbst der Lebensmitteleinzelhandel prognostiziert für die nächsten Wochen keine wesentlichen Impulse beim Absatz von Jungbullen, so dass wieder einmal nur der Export für eine nachhaltige Belebung des Geschäftes sorgen könnte. Bei den Schlachtfärsen handelt es sich dagegen um kleinere Stückzahlen, die angeboten werden. Da diese Tiere häufig über vertragliche Absatzprogramme gehandelt werden, sind größere Preisschwankungen in der Regel ausgeschlossen.

Melkende Rinder - Markt in Bewegung

Zu Beginn des Jahres hatten wir auf dem Zuchtrindermarkt eine deutliche Zweiteilung zu verzeichnen. Die Nachfrage nach abgekalbten Rindern war sehr gering. Ursache waren die mit der Milchquotenübererfüllung drohende Superabgabe und der unbefriedigende Milchpreis. Auch im europäischen Ausland bei unseren Abnehmern in Polen, England, Belgien und den Niederlanden war die Situation am Milchmarkt analog und von dort die Nachfrage auch sehr verhalten. Das Quotenende führt vor allem beim Handel mit abgekalbten Rindern zu einer deutlichen Belebung. Die zunehmende Nachfrage im Inland, aber auch bei unseren europäischen Nachbarn und das gleichzeitig sinkende Angebot beeinflussen die Preisentwicklung positiv. Produktionsaufstockungen bei potentiellen Verkäufern und die starke Exportvermarktung tragender Rinder in den letzten Monaten begrenzen das Angebot abgekalbter Färsen. Die Entwicklung des Milchpreises wird nicht unerheblichen Einfluss auf die Preise für diese Tierkategorie haben.

Tragende Rinder - Gute Exportnachfrage

Bei den tragenden Rindern war und ist die Vermarktungssituation dank Export sehr gut. Im Kalenderjahr 2014 wurden 75.146 deutsche Holstein-Zuchtrinder exportiert. Das entspricht einem deutlichen Zuwachs von 43 Prozent und das sind erstmals seit 2011 wieder mehr als 70.000 Rinder. Der Drittlandanteil hat mit 53,6 % (VJ 51,8 %) leicht zugenommen. Vor allem der nordafrikanische Raum, Kuweit, Türkei, Russland und Aserbaidschan wurden beliefert. In den kommenden Monaten wird die Nachfrage nach tragenden Färsen ab dem 3. Trächtigkeitsmonat stabil bleiben. Bis Ende Mail sind weitere Lieferungen nach Nordafrika und in den arabischen Raum möglich. Danach wird es in diesen Regionen klimatisch bedingt ruhiger. Russland, ein Land mit einem großen Bedarf an Zuchtrinder, wird in Abhängigkeit von der finanziellen und politischen Situation im Land den Exportmarkt beeinflussen. Aber auch nach Kasachstan, Mitglied der Zollunion, ist bei entsprechenden Veterinärabkommen hinsichtlich SBV mit Lieferungen von Milch- und Fleischrindern zu rechnen. Bei einer Lockerung der SBV-Beschränkungen von Seiten der Türkei, sind auch hier im Frühjahr und Sommer Ankäufe von tragenden Färsen möglich. Mit dem Auslaufen der Milchquote verzeichnen wir auch wieder eine verstärkte Nachfrage nach etwas höher tragenden Rindern aus Polen, Großbritannien und den Niederlanden.

Jungrinder - Weiterhin gesucht

Im Jungrinderbereich werden, bedingt durch den guten Verkauf niedertragender Färsen, im Export vor allem Tiere ab dem 6. Lebensmonat nachgefragt. Abgetränkte weibliche Zuchtkälber lassen sich ebenfalls gut vermarkten. Schwieriger gestaltet sich der Absatz weiblicher Zuchtkälber in der Tränkeperiode.